Situation in Costiui

Costiui liegt in Rumänien im Gebiet Maramures. Maramures zählt mit zu den ärmsten Regionen in Rumänien. Und Costiui ist in diesem Gebiet eines der ärmsten Dörfer.

Costiui liegt in einem geschlossenem Tal. Es hat eine Hauptstraße, an denen die Häuser gebaut sind, die anderen Häuser sind an den Hängen seitwärts der Hauptstraße gebaut. Außer der Hauptstraße, die über eine Teerdecke verfügt - das letzte Stück wurde erst im Jahre 2009 geteert -  existieren keine befestigten Straßen. Man kann sich vorstellen, wie diese Wege aussehen wenn es geregnet hat. Dann sind sie schlammig und kaum zu begehen oder mit den Pferdefuhrwerken zu befahren. Pferdefuhrwerke sind noch immer ein großer Bestandteil des Transportes, auch wenn es heute schon etwas mehr motorgetriebene Fahrzeuge in Costiui gibt. Aber dieser Personenkreis wird von uns nicht unterstützt, da er sich selbst helfen kann.

Die Menschen in Costiui wohnen in der Regel in kleinen Häuschen. Diese Häuschen besitzen oft nur 1 - 3 Zimmer, in denen die Menschen allein, zu zweit oder als Familie wohnen müsssen. Badezimmer oder Toilette sind eine Ausnahme.

Es gibt in Costiui keine Möglichkeit Arbeit zu finden. Arbeit zu bekommen ist nur in den Nachbarstätten möglich, welche aber dann nur mit dem Bus zu erreichen sind. Auch Geschäfte zum Kauf der zum Leben notwendigen Dinge befinden sich überwiegend in Sighet oder anderen großen Städten. Einzig Lebensmittel oder kleinere Dinge zum Lebensbedarf können in Costiui, wo sich - auch Dank unserer Unterstützung - jetzt zwei kleinere Lebensmittelgeschäfte befinden - eingekauft werden. Die Arbeitslosigkeit ist immer noch sehr hoch und die Jugend hat keine Aussicht auf eine Ausbildung im Ort, die ihnen die Zukunft sichert. Eine solche Ausbildung ist nur außerhalb möglich, was wiederum mit erheblichen Kosten verbunden ist.

Ärztliche Versorgung in Costiui besteht nicht, die Menschen müssen den Arzt im Nachbardorf aufsuchen - soweit dies möglich ist. Lediglich eine Krankenschwester steht zur Verfügung.

Wenn sich auch die grundlegende Situation in Costiui seit unseren ersten Fahrten im Laufe der Jahre gebessert hat, so müssen die Menschen in Costiui, die wir unterstützen, immer noch überlegen, wie sie mit dem, was sie zur Verfügung haben, leben, aber auch manchmal überleben können. Die Einkommen, hier sind die Renten gemeint, sind sehr gering und werden kaum oder nicht erhöht. Leider ist es auch heute noch so, dass einige der Menschen dort immer noch keine Rente bekommen. Die meisten haben zwar ein kleines Gärtchen am Haus, aus dem sie sich versorgen können, aber in manchen Fällen ist dies aufgrund des Alters nicht mehr möglich.

Vielfach ist gesagt worden, dass es nach dem Beitritt Rumäniens ja besser gehen sollte und müsste. Dem ist leider nicht so.l Zwar wurden die EU Vorschriften in Rumänien in der Regel umgesetzt mit der Folge, dass Geschäfte, in denen die Menschen günstig einkaufen konnten, geschlossen wurden, weil sie die Vorschriften nicht umsetzen konnten, aber die Preise haben sich nach der Unabhängigkeit deutlich erhöht. Hier liegt das Problem der Menschen in Costiui. Bei den geringen Einkommen ist es für sie sehr schwer, die Preise - auch für Lebensmittel - zu zahlen. Diese Preise, so haben wir im Dezember letzten Jahres verglichen, entsprechen denen eines Lebensmitteldiscounters in Essen oder liegen sogar noch darüber. Nachstehend finden sie eine Aufstellung:

Preise in Costiui                                                   Preise Lebensmitteldiscounter in Essen / Stand Ende 2009

1 kg Mehl             = 0,62 EUR                                = 0,25 EUR

1 kg Zucker          = 0,92 EUR                               = 0,69 EUR

1 kg Reis               = 1,50 EUR                              = 1,59 EUR

1 l Milch                = 0,46 EUR                              =  0,54 EUR

1 l Öl                     = 1,50 EUR                              = 1,19 EUR

250 gr. Butter        = 1,04 EUR                              = 0,99 EUR

1 Brot (ca. 400 gr.) = 0,35 EUR                             = 0,39 EUR (auf 400 gr. umgerechnet) (neue Aufstellung erfolgt Mitte 2014)

Holz für den Winter (Oktober bis März)  ca. 200 EUR, hier aber nur das Holz. Wenn es noch gehackt werden muss oder eingelagert werden muss, so kommen noch weitere Kosten hinzu.

Im Jahre 2010 wurden diese Preise zum Teil bis zu 30 % erhöht. Man kann sich vorstellen, wie schwer es für die Menschen in Costiui ist, mit Ihren kleinen Renten zurecht zu kommen. Nicht zu denken daran, wenn noch Kinder versorgt werden müssen oder Kosten für Medikamente oder ärztliche Behandlung entstehen.Eine Erhöhung der schon sehr niedrigen Renten ist im Jahre 2010 nicht vorgenommen worden.

Neu ist, dass jetzt die Menschen auch einen erheblichen Teil zur Krankenhausbehandlung selber beisteuern müssen.

Von Bedeutung ist, das es in Costiui nur zu einem geringen Teil eine öffentliche Wasserversorgung gibt, die aber in gewissen Abständen zusammenbricht. Überwiegend sind die Menschen auf die Versorgung mit Wasser aus eigenen Brunnen angewiesen oder aber aus einem Brunnen im Zentrum des Dorfes oder einzelnen Wasserstellen. Egal zu welcher Jahreszeit müssen sie, auch wenn sie abseits wohnen, mit Eimern das Wasser ins Haus tragen. Einige Menschen sind gezwungen, da sie kein Wasser im Haus haben, an diesen Stellen auch zu waschen. Es kann durch aus vorkommen, dass gerade in Sommern das Trinkwasser für Monate äußerst knapp ist. In diesem Jahr (2012) hat es von Juni bis Oktober nicht nennenswert geregnet.

Strom ist in vielen Häusern vorhanden, aber er kann auch mal stundenweise ausfallen. Leider besitzen einige unserer Hilfeempfänger immer noch keinen Stromanschluss. Gekocht und geheizt wird dann mit Holz, welches sie kaufen müssen. Es befinden sich zwar in fast allen Räumen Öfen, aber die Menschen müssen teilweise so sparsam sein, dass nur in dem Raum geheizt wird, in dem sie sich aufhalten, um Kosten zu sparen. Dies ist in der Regel die Küche.

Im Laufe unserer Hilfsaktion haben wir es in den Jahren geschaftt, dort wo es notwendig war, für eine menschenwürdige Unterkunft zu sorgen. Aber auch heute noch müssen die Menschen in Häusern wohnen, in denen von uns keiner wohnen möchte. Zum Teil sind diese Menschen zu alt, um noch grundlegende Änderungen vornehmen zu lassen, oder es fehlt die notwendige materielle Grundlage, um grundlegende Änderungen vorzunehmen. Hier können wir zwar im Rahmen unserer MIttel helfen, aber auch diese sind begrenzt.

 

 

 

 

 

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